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Eine tausendjährige Geschichte

Moines Winzer - BIBLIOTHEQUE MUNICIPALE DE DIJON

Der Name Chablis leitet sich von zwei keltischen Wörtern ab: CAB (Haus) und LEYA (nah am Wald). Im Serein-Tal wurden Überreste eines neolithischen Dorfes sowie eines befestigten Hofes aus gallischen Zeiten gefunden. In beiden gab es augenscheinlich schon Weinberge.
Das Dorf Chablis reicht bis in die Zeit der Römer zurück. In dieser Zeit wurden hier bereits vier bedeutende Landsitze angesiedelt. Unter Kaiser Domitian (81-96) wurden die Weinberge herausgerissen, Kaiser Probus (276-282) ließ sie jedoch wieder neu pflanzen. Dies geschah vor 18 Jahrhunderten!
Im 9. Jahrhundert ließ Karl, der Kahle, am Eingang des Vaucharmes-Tals eine kleine Kirche zu Ehren der heiligen Maria bauen, um Gott für die gewonnene Schlacht von Fontenay zu danken.
Im Jahr 867 flohen die Benediktinermönche von Tours vor den Wikingern, die an die Loire vorrückten. Sie ließen sich am Ufer der Yonne in der Abtei Saint Germain in Auxerre nieder, rund 20 Kilometer von Chablis entfernt. Schnell erhielten sie Spenden und Erbschaften, vor allem in Form von Weinbergen. Dadurch konnten sie ihren göttlichen Dienst aufrechterhalten, ihren eigenen Weinbedarf decken und Arme und Gäste empfangen.
 

Abteikirche von Pontigny im Departement Yonne (89)

Im Jahr 1114 gründete der Zisterzienser Hugues de Mâcon einige Kilometer entfernt die Abtei von Pontigny (den zweiten Ableger von Citeaux). Schnell wurde diese berühmt und erhielt ebenfalls Weinberge im Chablis, um ihren eigenen Bedarf zu decken.
Vor allem die Zisterziensermönche entwickelten in der Folge die Weinregion Chablis weiter. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden in Chablis die Stiftskirche Saint-Martin, die Kirche Saint-Pierre (der heilige Petrus war der Schutzpatron von Chablis), das Hôtel Dieu, das Priorat Saint Cosme, das Petit Pontigny und im Jahr 1331 die Petite Arche du Pont errichtet.
Im Jahr 1405 wurde die Errichtung der Stadtmauer der Unterstadt (le Bourg) durch Steuern finanziert. Die Winzer mussten acht bis neun Jahre lang zehn Prozent ihrer Ernte abgeben: So trugen 89 von ihnen zur Errichtung der Stadtmauer bei. Die Abteien von Tour und Pontigny waren ihrerseits jedoch von der Abgabe befreit.

Schon lange vor der Erfindung der Eisenbahn hielten die Chablis-Weine am Hofe der französischen Könige in Paris Einzug - und traten von dort aus die Eroberung der Welt an. Die erste schriftliche Erwähnung eines Handels mit Chablis-Weinen außerhalb seiner Region datiert aus dem Jahr 1455. Dabei handelte es sich um den Weinkauf durch einen Händler aus Maubeuge im Norden Frankreichs.

Im Jahr 1478 richtete Pierre Lerouge in Chablis die fünfte Buchdruckerei Frankreichs ein. Im Jahr 1537 hatte Chablis 4000 Einwohner (heute sind es 2500) und seine Weine waren bereits in ganz Frankreich berühmt. Aber 1568 wurde Chablis von den Hugenotten angegriffen, die die Oberstadt (Faubourg) niederbrannten. Die besser geschützte Unterstadt wurde nach dreitägiger Belagerung ausgeraubt. Es dauerte zwei Jahrhunderte, bis der Wohlstand nach Chablis zurückkehrte.

Stadttore von Chablis (89)

Am Ende des 19. Jahrhunderts vernichteten Reblaus und falscher Mehltau die Weinberge. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts starben schließlich mehr als 100 Männer im ersten Weltkrieg. Kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs, im Jahr 1955, hatte Chablis nur noch 550 Hektar Rebfläche.
Die versessene Arbeit der Winzer ließ die Weinberge wieder florieren. Sie pfropften Chardonnay-Pflanzen auf insektenresistente Rebstöcke und setzten Kupferkalkbrühe zur Bekämpfung des falschen Mehltaus ein. Aber erst mit der Mechanisierung und der Einführung von Heizungen nach dem vollständigen frostbedingtem Ernteausfall von 1957, zog die Weinproduktion wieder richtig an. Die üppige Ernte von 1970 brachte den Reichtum zurück nach Chablis.
Heute erstreckt sich der Chablis-Weinberg über 5400 Hektar Rebfläche. Eine neue Generation von Frauen und Männern tritt die Nachfolge auf den Weingütern an. Sie sind besser ausgebildet als ihre Vorgänger, haben oftmals im Ausland gearbeitet und verstehen es, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden.